Teil 4 einer Serie über die Sache mit den Führungskräftetrainings
In Teil 3 habe ich beschrieben, warum sich dieses Training durch Zeit und Tiefe von den beiden vorherigen abgehoben hat. Aber „es war tiefer“ allein ist noch kein Beweis dafür, dass tatsächlich etwas hängengeblieben ist. Deshalb wird es in diesem Teil konkret: Was habe ich am Ende wirklich mitgenommen?
Ein besseres Verständnis von Sprache und Wirkung
Der vielleicht grundlegendste Punkt: Ich verstehe heute deutlich genauer, wie Sprache wirkt nicht nur, was ich sage, sondern wie es bei meinem Gegenüber ankommt. Das klingt zunächst abstrakt, ist es aber überhaupt nicht. In Führungssituationen entscheidet oft weniger der Inhalt einer Aussage als die Art, wie sie formuliert ist, darüber, ob sie als Unterstützung oder als Kritik verstanden wird, ob sie Vertrauen aufbaut oder Distanz schafft.
Vor diesem Training hätte ich gesagt, dass ich mich schon einigermaßen gut ausdrücken kann. Danach war mir klar, wie viele Nuancen ich vorher gar nicht bewusst wahrgenommen habe kleine Formulierungsunterschiede, die einen großen Unterschied in der Wirkung machen.
Das Gegenüber besser lesen
Der zweite große Bereich betrifft nicht das eigene Sprechen, sondern das genaue Hinschauen auf die Person gegenüber. Wie reagiert jemand tatsächlich. Nicht, wie ich erwarte, dass er reagieren müsste. Was steckt hinter einer knappen Antwort, einem Zögern, einer scheinbar neutralen Rückmeldung.
Diese Fähigkeit lässt sich schwer in einem einzelnen Merksatz zusammenfassen, aber sie hat einen sehr praktischen Effekt: Ich gehe heute mit einer anderen Aufmerksamkeit in Gespräche als vorher. Nicht mit einem fertigen Skript im Kopf, das ich abspulen will, sondern mit einer Offenheit dafür, was tatsächlich im Raum steht und der Fähigkeit, darauf angemessen zu reagieren, statt nur meinen ursprünglichen Plan durchzuziehen.
Konkrete Werkzeuge für schwierige Situationen
Der dritte Bereich ist der am direktesten anwendbare: neue Werkzeuge und Techniken für Situationen, die im Führungsalltag immer wieder vorkommen, schwierige Rückmeldungen geben, Konflikte im Team moderieren, mit Widerstand umgehen, ohne dass eine Situation eskaliert.
Das Entscheidende dabei war nicht, diese Werkzeuge nur kennenzulernen, sondern sie über die zwölf Monate hinweg tatsächlich in echten Situationen auszuprobieren und beim nächsten Termin zu besprechen, was funktioniert hat und was nicht. Genau dieser Kreislauf aus Ausprobieren und Reflektieren hat aus theoretischem Wissen etwas gemacht, das ich im Alltag tatsächlich abrufen kann, wenn eine Situation es erfordert – nicht erst, wenn ich vorher lange darüber nachdenke, sondern in dem Moment, in dem es darauf ankommt.
Warum das mehr ist als „ich hab viel gelernt“
Der Unterschied zwischen diesen drei Punkten und einem vagen „das Training war bereichernd“ liegt darin, dass sie sich alle auf etwas beziehen, das ich vorher und nachher unterschiedlich gemacht hätte. Vor dem Training hätte ich in einer schwierigen Gesprächssituation intuitiv reagiert, mit dem Werkzeugkasten, den ich mir über die Jahre selbst zusammengesucht hatte. Danach hatte ich zusätzliche, bewusst einsetzbare Optionen und vor allem ein geschärftes Gespür dafür, welche davon in welcher Situation passt.
Das ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Training, das Wissen vermittelt, und einem Training, das tatsächlich verändert, wie man handelt. Die beiden vorherigen Trainings haben mir Wissen vermittelt, das ich mir notiert und dann kaum wieder angeschaut habe. Dieses Training hat verändert, wie ich in echten Situationen tatsächlich vorgehe.
Was diese Erfahrung insgesamt für meinen Blick auf Weiterbildung bedeutet und ob sich meine ursprüngliche Skepsis am Ende doch als berechtigt herausgestellt hat, dazu mehr im letzten Teil dieser Serie.

