Der Unterschied nach kurzer Zeit


Teil 3 einer Serie über die Sache mit den Führungskräftetrainings


In Teil 1 bin ich mit einer begründeten Skepsis in mein drittes Führungskräftetraining gestartet. In Teil 2 habe ich gezeigt, warum mein Maßstab an gute Weiterbildung so hoch lag. Jetzt kommt der Teil, der meine Erwartung auf den Kopf gestellt hat.

Der erste Unterschied, der mir auffiel

Was mir schon vor Beginn hätte auffallen können, aber erst im Verlauf wirklich bewusst wurde: Dieses Training war nicht als einzelner Tag oder als Wochenend-Workshop angelegt. Es zog sich über zwölf Monate. Allein diese Zeitspanne unterscheidet ein Format grundlegend von dem, was ich vorher kannte.

Ein Tagesworkshop funktioniert nach einer bestimmten Logik: Ein Thema wird vorgestellt, ein paar Übungen dazu gemacht, am Ende gibt es eine Zusammenfassung, und dann ist man wieder im Alltag. Was in so einem Format fehlt, ist Zeit. Zeit, um etwas auszuprobieren, zu scheitern, zurückzukommen und noch mal genauer hinzuschauen. Zeit, damit sich etwas tatsächlich in der eigenen Praxis verankert, statt nur für einen Moment im Kopf präsent zu sein.

Wann der Unterschied spürbar wurde

Nach den ersten Wochen war meine anfängliche Skepsis noch nicht wirklich widerlegt. Es fühlte sich zunächst an wie ein etwas längerer Auftakt zu dem, was ich schon zweimal erlebt hatte. Der eigentliche Bruch mit meiner Erwartung kam erst, als ich merkte, dass die Themen aus den ersten Sitzungen nicht einfach abgehakt und durch das nächste Thema ersetzt wurden. Sie kamen zurück in anderer Form, mit mehr Tiefe, verknüpft mit dem, was inzwischen im eigenen Alltag passiert war.

Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Das hier ist kein Format, das mich mit ein paar Modellen und Merksätzen nach Hause schickt. Es ist ein Format, das erwartet, dass ich zwischen den Terminen tatsächlich etwas verändere, ausprobiere, scheitere und beim nächsten Mal darüber spreche, was daraus geworden ist.

Tiefe statt Oberfläche

Der strukturelle Unterschied lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Die beiden vorherigen Trainings waren flach. Die Themen kurz angerissen, damit für jede Situation irgendetwas Passendes dabei war. Dieses Training war tief. Die Themen insgesamt Umfangreich, jedes davon so lange bearbeitet, bis es nicht mehr nach Theorie klang, sondern nach etwas, das ich tatsächlich in einer schwierigen Situation abrufen konnte.

Diese Tiefe hatte einen spürbaren Nebeneffekt: Es war anstrengender. Ein Tagesworkshop kann man konsumieren und danach vergessen. Ein zwölfmonatiges Format mit echter Tiefe fordert einen kontinuierlich man kann sich nicht einfach zurücklehnen und zuhören, man muss mitarbeiten, reflektieren, sich auch mal unangenehmen Rückmeldungen stellen.

Wie sich meine Haltung veränderte

Irgendwann zwischen dem dritten und vierten Monat merkte ich, dass sich meine innere Haltung zum Training verschoben hatte. Aus der anfänglichen Pflichtübung war etwas geworden, auf das ich mich tatsächlich vorbereitet habe nicht aus Zwang, sondern weil ich wusste, dass am Ende jeder Einheit etwas herauskommen würde, das ich direkt gebrauchen konnte.

Das war für mich selbst überraschend. Nach zwei enttäuschenden Erfahrungen hatte ich innerlich fast schon abgeschlossen mit der Idee, dass ein Firmentraining mich noch mal wirklich weiterbringen könnte. Genau diese Erwartung wurde hier widerlegt nicht durch ein einzelnes beeindruckendes Modul, sondern durch die Summe aus Zeit, Wiederholung und echter Tiefe.

Was dabei am Ende konkret hängengeblieben ist nicht nur „ich hab viel gelernt“, sondern greifbare Werkzeuge und ein verändertes Verständnis von Sprache und Wirkung zeige ich dir im nächsten Teil.