Das Buch, das mein Selbstbild neu sortiert hat


Teil 4 einer Serie über den Wandel meines Selbstbilds


Im letzten Teil habe ich beschrieben, wie ich über Projektmanagement, Analytics und Algorithmen kein klassischer Gestalter mehr war. Was zu diesem Zeitpunkt noch fehlte, war eine Sprache, um diesen Wandel für mich selbst einzuordnen. Genau diese Sprache habe ich in einem Buch gefunden.

Ein Fund auf dem Weg, kein gezielter Griff danach

Ich bin auf diesem Weg auf das Buch „Selbstbild“ von Carol Dweck gestoßen. Es war kein gezielter Griff nach einem Ratgeber, der genau mein Problem lösen sollte, sondern eher ein Fund, der zur richtigen Zeit kam. Ich befand mich mitten in einer Phase, in der sich meine berufliche Identität bereits spürbar verschoben hatte, ohne dass ich dafür schon die passenden Worte gehabt hätte.

Das Buch beschäftigt sich im Kern mit der Frage, ob Menschen ihre Fähigkeiten und ihre Identität als etwas Festes betrachten, das man entweder hat oder nicht hat, oder als etwas Dynamisches, das sich durch Erfahrung und Anstrengung weiterentwickeln kann. Genau dieser Gedanke hat bei mir etwas ausgelöst, weil er exakt beschrieb, was ich in den vorherigen Teilen dieser Serie erzählt habe, nur eben in einer klaren, greifbaren Formulierung.

Warum dieses Konzept bei mir etwas ausgelöst hat

Bis zu diesem Punkt hatte ich meine eigene Entwicklung eher als eine Art Verlust empfunden, ohne mir das offen einzugestehen. Ich war einmal fest davon überzeugt gewesen, für immer Designer zu bleiben. Diese Überzeugung war Teil meiner Identität, kein bloßes Merkmal, sondern etwas, das zu meinem Selbstverständnis gehörte. Als sich diese Identität durch den Fuchsbau aus Teil 2 und den Bruch aus Teil 3 verändert hat, blieb im Hintergrund ein leises Gefühl, etwas von mir selbst aufgegeben zu haben.

Das Buch hat mir eine andere Sichtweise angeboten. Eine Identität muss nicht starr bleiben, um echt zu sein. Sie kann sich verändern, ohne dass das automatisch einen Verlust bedeutet. Diese Unterscheidung mag auf dem Papier einfach klingen, aber für mich persönlich war sie eine echte Neusortierung. Ich konnte meine eigene Entwicklung plötzlich nicht mehr als Abkehr von dem verstehen, was ich einmal war, sondern als eine Erweiterung dessen, was ich sein kann.

Was sich dadurch konkret verändert hat

Vorher hatte ich unbewusst eine Trennlinie gezogen zwischen dem, wer ich wirklich bin, nämlich kreativ, gestalterisch, intuitiv, und dem, was ich zusätzlich gelernt hatte, nämlich analytisch, datenorientiert, prozessgetrieben. Das Buch hat mir geholfen, diese Trennlinie aufzulösen. Es gibt keinen Grund, warum beides nicht Teil derselben, sich entwickelnden Identität sein kann.

Das mag nach einer kleinen begrifflichen Verschiebung klingen, aber die Wirkung war für mich spürbar. Ich musste mich nicht mehr entscheiden, ob ich der Kreative oder der Analytiker bin. Ich konnte beides als aufeinanderfolgende, miteinander verbundene Kapitel derselben Entwicklung begreifen, statt als Widerspruch, den ich irgendwie auflösen müsste.

Der Übergang zum letzten Teil

Dieses neue Verständnis hat nicht nur meine Sicht auf die Vergangenheit verändert, sondern auch meine Erwartung an die Zukunft. Wenn eine Identität sich einmal so grundlegend verschieben konnte, wie ich es in dieser Serie beschrieben habe, warum sollte sie danach plötzlich wieder starr werden? Was diese Erkenntnis für meinen Blick auf die eigene Weiterentwicklung insgesamt bedeutet, zeige ich im letzten Teil dieser Serie.