Kein starrer Weg mehr


Teil 5, der Abschluss einer Serie über den Wandel meines Selbstbilds


In den letzten vier Teilen habe ich einen Weg beschrieben, der mit einer festen, fast unerschütterlichen Vorstellung von mir selbst begann und über einen tiefen, unerwarteten Fuchsbau, einen grundlegenden Bruch im Denken und ein Buch, das diesem Wandel eine Sprache gegeben hat, an einem ganz anderen Punkt endete. Zeit für die eigentliche Erkenntnis, die am Ende dieses Weges steht.

Von einer festen zu einer dynamischen Identität

Mein Selbstbild hat sich dynamisch verändert. Am Anfang stand die Überzeugung, für immer Designer zu sein, frei und kreativ, mit einer Vorstellung von mir selbst, die sich über Jahre nicht verändern würde. Am Ende dieses Weges steht ein anderes Selbstverständnis, das ich heute so beschreiben würde: Ich arbeite datenorientiert als Vorgesetzter mit durchdachten Prozessen.

Diese beiden Selbstbilder klingen, nebeneinandergestellt, fast wie zwei unterschiedliche Menschen. Und doch war es ein einziger, zusammenhängender Weg, der von einem zum anderen geführt hat, Schritt für Schritt, ohne einen einzelnen dramatischen Bruch, sondern über viele kleine Verschiebungen, die sich erst im Rückblick zu einem klaren Bild zusammenfügen.

Warum ich meinen eigenen Weg nicht mehr als starr empfinde

Das Entscheidende an dieser ganzen Geschichte ist für mich nicht der konkrete Inhalt der Veränderung, also der Wechsel von einer kreativen zu einer analytischen Ausrichtung. Das Entscheidende ist die grundsätzliche Erkenntnis, die daraus folgt: Ich empfinde meinen eigenen Weg dadurch nicht mehr als starr und unveränderlich.

Früher wäre eine solche Veränderung für mich vermutlich beunruhigend gewesen. Wenn die eigene Identität als etwas Festes gedacht wird, fühlt sich jede Abweichung davon wie ein Verlust oder ein Fehler an. Heute sehe ich das anders. Eine Identität, die sich weiterentwickeln darf, ist keine instabile oder unsichere Identität. Sie ist eine, die mit den eigenen Erfahrungen mitwachsen kann, statt an einem einmal festgelegten Bild festzuhalten, das irgendwann nicht mehr zur eigenen Realität passt.

Die Gelassenheit, die daraus entsteht

Diese Veränderung schenkt mir Gelassenheit. Das ist vielleicht der wichtigste Satz dieser ganzen Serie. Es ist eine Gelassenheit, die nicht daher kommt, dass ich jetzt genau weiß, wer ich bin und das für immer bleiben werde. Sie kommt daher, dass ich nicht mehr das Bedürfnis habe, das überhaupt festzulegen.

Wenn sich mein Selbstbild einmal so grundlegend verschieben konnte, wie ich es in dieser Serie beschrieben habe, gibt es für mich keinen Grund mehr, mich vor einer weiteren Verschiebung zu fürchten. Was auch immer als Nächstes kommt, sei es eine neue Denkweise, ein neues Themenfeld, ein neuer beruflicher Schwerpunkt, muss nicht als Bedrohung für das verstanden werden, was ich zu sein glaube. Es kann einfach ein weiteres Kapitel sein.