Blitzeblankes Setup, aber noch kein Projektleiter


Teil 1 einer Serie darüber, was mir als jungem Projektleiter geholfen hat und was ich davon heute weitergebe


Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Tage als Projektleiter. Nicht vage, sondern bis ins Detail. An den Moment, in dem ich vor dem Kickoff-Meeting saß, mit einem Google Drive Ordner voller Vorbereitung, und trotzdem das Gefühl hatte, jemand könnte gleich merken, dass ich eigentlich gar nicht weiß, was ich hier tue.

Die Vorbereitung war optimal

Ich hatte mir vorher eigenständig theoretisches Wissen angeeignet. Bücher gelesen, Blogs durchforstet, mir angeschaut, wie andere Projekte typischerweise strukturiert werden. Niemand hatte mich dazu aufgefordert. Es war mir klar, dass ich mir das Handwerkszeug selbst holen musste, wenn ich es schaffen wollte.

Für das eigentliche Projekt hatte ich entsprechend alles vorbereitet, was zu einem sauberen Start dazugehört: eine klare Projektbeschreibung, eine Übersicht der Stakeholder, einen definierten Eskalationsflow, terminierte Meilensteine und, was mir besonders wichtig war, eine klare Abgrenzung von Zielen und Nichtzielen. Auf dem Papier war das Setup blitzeblank. Jede Frage, die im Kickoff hätte aufkommen können, war irgendwo schon einmal durchdacht und für unerwartet hatte ich einen Plan.

Und trotzdem: keine Ahnung, ob ich das bin

Nach außen war ich vorbereitet, vielleicht etwas genauer als nötig. Nach innen sah es anders aus. Ich verstand mich zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht als Projektleiter. Das ist ein merkwürdiger Zustand: Man hat die Rolle, den Titel, die formale Verantwortung und trägt gleichzeitig das Gefühl mit sich herum, eigentlich noch nicht in diese Rolle hineinzupassen.

Ich sollte in diesem Kickoff die Leitplanken setzen. Ich sollte derjenige sein, der Fragen beantwortet, der Unsicherheit im Raum auffängt, der die Richtung vorgibt. Und gleichzeitig war ich selbst nicht frei von genau dieser Unsicherheit.

Eine Mischung, die schwer zu benennen ist

Wenn ich versuche, das Gefühl aus diesen ersten Tagen in Worte zu fassen, komme ich auf eine Mischung, die auf den ersten Blick widersprüchlich klingt: Aufregung und Vorfreude auf der einen Seite, echte Unsicherheit auf der anderen. Die Situation war spannend, fordernd, neu und mit einem Ausgang, der zu diesem Zeitpunkt völlig offen war. Ich wusste nicht, ob das, was ich vorbereitet hatte, ausreichen würde. Ich wusste nicht, wie das Team reagieren würde. Ich wusste nicht einmal genau, ob ich der Richtige für diese Aufgabe war.

Diese Mischung aus akribischer Außenvorbereitung und innerer Unfertigkeit ist, glaube ich, ein Zustand, den viele Menschen kennen, wenn sie zum ersten Mal in eine Führungs- oder Leitungsrolle hineinwachsen. Man kann sich fachlich noch so gut vorbereiten das Gefühl, wirklich in die Rolle hineinzupassen, stellt sich meistens erst danach ein, durch das, was tatsächlich passiert, nicht durch das, was man vorher plant.

Warum diese Ausgangslage wichtig für den Rest der Geschichte ist

Ich erzähle diesen Teil so ausführlich, weil er die Grundlage für alles ist, was danach kam. Es gab an diesem Punkt noch keine Erfahrung, auf die ich mich hätte stützen können nur Vorbereitung und die Hoffnung, dass sie ausreichen würde. Was mich dann tatsächlich getragen hat, war nicht mein Ordner voller Recherche. Es waren andere Dinge, die ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf dem Schirm hatte.