Teil 2 einer Serie über die Sache mit den Führungskräftetrainings
Im letzten Teil habe ich beschrieben, mit welcher Skepsis ich in mein drittes Führungskräftetraining gegangen bin. Bevor ich zeige, was dieses Training anders gemacht hat, lohnt sich ein Schritt zurück: Warum eigentlich habe ich einen so hohen Maßstab an gute Weiterbildung? Die Antwort liegt in meinem eigenen Weg dorthin.
Der Anfang hatte nichts mit Führung zu tun
Mein Karriereweg begann als Fotoassistent. Das ist kein Berufsbild, das man normalerweise mit „Abteilungsleiter“ in Verbindung bringt und genau das macht die Strecke dazwischen interessant. Es gab keinen geraden Pfad, keinen Studiengang, der mich zielgerichtet auf eine Führungsposition vorbereitet hätte. Ich habe mir Führungsverantwortung über die Zeit erarbeitet, sowohl für Mitarbeiter als auch für Projekte, Schritt für Schritt, während ich gleichzeitig gelernt habe, was Führung überhaupt bedeutet.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu jemandem, der von Anfang an strukturiert auf eine Führungslaufbahn vorbereitet wird. Ich musste mir das Wissen, das andere vielleicht in einer Ausbildung oder einem Studium mitbekommen, selbst zusammensuchen, während ich es gleichzeitig schon anwenden musste, weil die Verantwortung längst da war.
Eigeninitiative statt Vorgabe
Genau aus dieser Lücke heraus entstanden zwei Entscheidungen, die ich aus eigenem Antrieb getroffen habe, ohne dass mich jemand dazu aufgefordert hätte.
Die erste war ein Coaching zur Verbesserung meines Selbstmanagements. Nicht, weil eine Vorgesetzte oder ein Vorgesetzter das verlangt hätte, sondern weil ich selbst gemerkt habe, dass mir dort eine Grundlage fehlte, auf der ich hätte aufbauen können. Die zweite war eine Vertiefung ins Projektmanagement, wieder aus eigenem Antrieb, wieder aus der Erkenntnis heraus, dass ich mir dieses Handwerkszeug selbst holen musste, wenn ich es haben wollte.
Beide Stationen würde ich rückblickend als sehr lohnenswert investierte Zeit bezeichnen. Nicht, weil sie perfekt waren, sondern weil sie mir echte, anwendbare Substanz gegeben haben. Werkzeuge, die ich danach im Alltag tatsächlich gebraucht und genutzt habe.
Warum das meinen Maßstab geprägt hat
Genau hier liegt der Grund, warum meine Erwartungshaltung an Firmentrainings so kritisch war, wie ich sie in Teil 1 beschrieben habe. Ich hatte bereits erlebt, wie sich echte, substanzielle Weiterbildung anfühlt. Weiterbildung, die ich mir selbst ausgesucht hatte, weil ich eine konkrete Lücke füllen wollte, nicht weil sie im Kalender stand.
Wenn man diesen Vergleichsmaßstab schon hat, fällt es einem leichter zu erkennen, wenn ein Training eher an der Oberfläche bleibt. Die beiden vorherigen Firmentrainings wirkten für mich deshalb blass nicht, weil sie objektiv schlecht waren, sondern weil ich bereits wusste, wie viel tiefer Weiterbildung gehen kann, wenn sie richtig aufgesetzt ist.
Der Punkt, an dem sich beides trifft
Damit war meine Ausgangslage vor dem dritten Training klar umrissen: Ein Weg, der nicht geradlinig verlief, sondern über Eigeninitiative und praktische Erfahrung entstanden ist. Ein Maßstab, der durch selbst gewählte Weiterbildung geprägt wurde, die tatsächlich etwas bewirkt hat. Und eine entsprechend hohe Hürde für alles, was von außen als „das nächste Pflichttraining“ an mich herangetragen wurde.
Genau vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum der Unterschied, den ich nach den ersten Monaten des dritten Trainings gespürt habe, für mich so bemerkenswert war. Dazu mehr im nächsten Teil.

