Die Schnittstelle nach außen


Über die Rolle als Übersetzer, wenn nicht nur das eigene Team, sondern auch andere Abteilungen mitreden


Wenn ich über die Herausforderung spreche, ein Team aus Designern, Textern, einem Translation-Manager, Entwicklern und Support-Mitarbeitern zu führen, klingt das schon nach genug unterschiedlichen Perspektiven. Fünf Sprachen, ein Raum, eine gemeinsame Richtung finden, das allein ist eine Aufgabe. Was in dieser Beschreibung aber fehlt: Diese fünf Perspektiven existieren nicht in einem geschlossenen Raum. Zusätzlich zu meinem eigenen Team muss ich mich mit anderen Abteilungen abstimmen, die im Gesamtgefüge ebenfalls involviert sind.

Eine zusätzliche Übersetzungsebene

Innerhalb meines Teams ist meine Aufgabe, zwischen fünf Fachsprachen zu übersetzen, damit daraus eine gemeinsame Entscheidung wird. Sobald andere Abteilungen ins Spiel kommen, kommt eine zweite Übersetzungsebene hinzu: Ich muss die Position meines Teams gegenüber diesen anderen Abteilungen vertreten und gleichzeitig deren Anforderungen zurück in mein Team übersetzen.

Das ist ein fundamental anderer Vorgang als die interne Abstimmung. Innerhalb des Teams kenne ich die Menschen, ihre Denkweise, ihre üblichen Bedenken. Gegenüber anderen Abteilungen fehlt mir dieser Insider-Blick oft. Ich muss dort zunächst verstehen, welche Logik, welche Prioritäten, welche Zwänge in dieser anderen Abteilung gelten bevor ich überhaupt anfangen kann, zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

Vertreten und übersetzen zugleich

Diese Doppelrolle ist anspruchsvoller, als sie zunächst klingt. Gegenüber der anderen Abteilung muss ich mein Team vertreten, ihre Bedenken ernst nehmen, ihre Position glaubwürdig einbringen, dafür sorgen, dass die Perspektiven von Design, Entwicklung, Text, Übersetzung und Support in der übergreifenden Entscheidung tatsächlich Gehör finden. Gleichzeitig muss ich in die andere Richtung übersetzen: die Anforderungen, Fristen oder Einschränkungen der anderen Abteilung so ins eigene Team tragen, dass sie dort nicht als willkürliche Vorgabe ankommen, sondern nachvollziehbar werden.

Wer nur in eine Richtung übersetzt, wird schnell entweder zum reinen Sprachrohr der eigenen Abteilung , was das Verhältnis zu anderen Abteilungen belastet oder zum reinen Umsetzer fremder Vorgaben, was das Vertrauen im eigenen Team untergräbt. Die eigentliche Kunst liegt darin, beide Richtungen gleichzeitig ernst zu nehmen, ohne sich einseitig zu positionieren.

Warum das die interne Komplexität noch erhöht

Diese zusätzliche Ebene verändert auch, wie ich intern arbeite. Eine Entscheidung, die ich innerhalb meines Teams treffe, muss nicht nur für die fünf internen Perspektiven tragfähig sein, sie muss auch gegenüber externen Abteilungen vertretbar und erklärbar sein. Das schränkt den Lösungsraum zusätzlich ein. Manchmal ist eine Lösung intern die naheliegendste, lässt sich aber gegenüber einer anderen Abteilung kaum begründen, weil sie deren Rahmenbedingungen nicht berücksichtigt. Dann muss ich zurück ins eigene Team und erklären, warum eine andere Richtung nötig ist, obwohl diese Richtung intern vielleicht zunächst auf Widerstand stößt.

Die eigene Position im Gesamtgefüge

Das führt zu einer Art doppelter Loyalität, die man in dieser Rolle aushalten muss. Ich bin dem eigenen Team gegenüber verantwortlich, dessen Perspektiven ich kenne und vertrete. Ich bin aber auch dem größeren Gesamtgefüge gegenüber verantwortlich, in dem mein Team nur ein Teil von mehreren ist. Diese beiden Verantwortlichkeiten stehen nicht automatisch im Einklang. Manchmal ist die richtige Entscheidung fürs Gesamtgefüge nicht die Entscheidung, die das eigene Team am liebsten hätte.

In solchen Momenten wird die Übersetzerrolle zur eigentlichen Belastungsprobe. Es reicht nicht, nur zu übersetzen, was die andere Abteilung will. Ich muss auch erklären können, warum eine Entscheidung trotz interner Vorbehalte richtig ist und dabei so glaubwürdig bleiben, dass das eigene Team mir weiterhin vertraut, auch wenn eine Entscheidung nicht in ihrem unmittelbaren Interesse liegt.

Was diese Rolle im Kern ausmacht

Wenn ich versuche, diese Erfahrung zusammenzufassen: Die Führung eines multidisziplinären Teams endet nicht an der Teamgrenze. Sie setzt sich fort in der Fähigkeit, als Schnittstelle nach außen zu funktionieren. Positionen glaubwürdig zu vertreten, ohne dabei blind für die berechtigten Interessen der anderen Seite zu werden. Das ist kein einmalig gelöstes Problem, sondern eine Fähigkeit, die man in jeder neuen Abstimmung mit einer anderen Abteilung wieder neu anwenden muss.