Der Fuchsbau, aus dem ich nicht mehr rauskam


Teil 2 einer Serie über den Wandel meines Selbstbilds


Im letzten Teil habe ich beschrieben, wie fest sich mein Bild von mir selbst als Designer angefühlt hat, und wie sich dieser Traum sogar tatsächlich erfüllt hat. Genau in dieser Phase, in der eigentlich alles stimmig war, begann etwas, das im Rückblick alles verändern sollte.

Ein Zwischenstopp, der nie als solcher gedacht war

Ich bin irgendwann in die E-Commerce-Richtung reingeschlittert. Das Wort reingeschlittert trifft es dabei ziemlich genau. Es gab keinen bewussten Entschluss, die Kreativität hinter mir zu lassen und mich einem völlig anderen Feld zuzuwenden. Es war ursprünglich nur als geplanter Zwischenstopp gedacht, eine vorübergehende Station, die ich als Ergänzung oder Abwechslung betrachtete, nicht als etwas, das meinen weiteren Weg grundlegend prägen würde.

Diese Erwartung war zu diesem Zeitpunkt völlig plausibel. Ein Zwischenstopp bleibt in der Regel genau das, ein kurzer Aufenthalt, bevor man auf dem eigentlich geplanten Weg weitergeht. Ich hatte keinen Grund anzunehmen, dass dieser Abstecher anders verlaufen würde.

Wie aus einem kurzen Abstecher ein Fuchsbau wurde

Ich bin in dieser Richtung länger geblieben als geplant. Um zu beschreiben, wie sich das angefühlt hat, greife ich gerne auf ein Bild zurück, das für mich bis heute am treffendsten ist: Es war wie ein Fuchsbau, in den ich immer tiefer hineingeschaut habe. Ein Fuchsbau hat diese besondere Eigenschaft, dass man von außen nie sehen kann, wie weit er tatsächlich reicht. Man tritt ein, sieht den nächsten Gang, folgt ihm, und entdeckt dahinter wieder einen weiteren, den man vorher nicht erahnen konnte.

Genau so hat sich mein Weg in den E-Commerce-Bereich angefühlt. Jede Frage, die sich mir stellte, führte zu einer neuen, tiefer liegenden Frage. Jedes Thema, das ich zu verstehen begann, öffnete den Blick auf ein weiteres, das ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Es gab keinen einzelnen Moment, in dem ich bewusst entschieden hätte, hierbleiben zu wollen. Es war eher ein kontinuierliches Weitergehen, Schritt für Schritt, ohne dass sich ein klarer Ausgang zeigte, an dem ich hätte umkehren können.

Warum dieses Bild so gut passt

Was das Bild des Fuchsbaus für mich so treffend macht, ist die fehlende Übersicht während des Vorgangs selbst. Man weiß in einem Fuchsbau nicht, wie tief man schon ist, bis man zurückblickt und feststellt, wie weit der Weg hinter einem bereits reicht. Genauso ging es mir mit diesem eigentlich als kurz gedachten Ausflug. Erst im Rückblick wird deutlich, wie viele einzelne, für sich genommen kleine Schritte nötig waren, um so weit vom ursprünglichen Zwischenstopp entfernt zu landen.

Der Kontrast zum vorherigen Selbstbild

Das Interessante an dieser Phase ist der Kontrast zu dem, was ich im letzten Teil beschrieben habe. Ich war zu diesem Zeitpunkt fest davon überzeugt, für immer Designer zu bleiben, kreativ, frei, in genau dem Beruf, den ich mir früh vorgestellt hatte. Und gleichzeitig bewegte ich mich, ohne es bewusst zu bemerken, immer tiefer in ein völlig anderes Feld hinein. Beides existierte für eine Weile parallel: die feste Identität als Kreativer und die stetig wachsende Beschäftigung mit einem Thema, das mit dieser Identität ursprünglich wenig zu tun hatte.

Was diesen Fuchsbau letztlich so entscheidend gemacht hat, war nicht die reine Beschäftigung mit E-Commerce an sich, sondern ein bestimmter Punkt darin, an dem sich mein Denken grundlegend zu verändern begann. Was das war und wie sich dieser Wendepunkt tatsächlich angefühlt hat, zeige ich im nächsten Teil.