Bis in die Nacht kreativ


Teil 1 einer Serie über den Wandel meines Selbstbilds


Es gibt Träume, die sich später als naiv oder überholt herausstellen. Und es gibt Träume, die sich tatsächlich erfüllen. Meiner gehörte lange Zeit zur zweiten Kategorie, was diese Geschichte im Nachhinein umso interessanter macht.

Ein Bild, das ich mir früh ausgemalt habe

Ich wusste schon früh, dass ich Design machen wollte. Das war keine vage Idee unter vielen, sondern eine feste Vorstellung, die sich tief in mir festgesetzt hat. Ich stellte mir vor, bis in die Nacht kreativ zu sein. Nicht als Pflicht oder Beruf im nüchternen Sinne, sondern als eine Art Lebensform, in der Kreativität nicht endet, wenn der Feierabend beginnt.

Es gibt ein Bild, das diesen Traum für mich bis heute am besten einfängt. Ich saß oft bis spät in der Nacht vor einer Runde Age of Empires, völlig vertieft, ohne ein Gefühl für die vergehende Zeit. Genau dieses Gefühl, dieses vollkommene Aufgehen in einer Sache, habe ich mir für meinen späteren Berufsweg gewünscht, nur eben mit Design statt mit einem Strategiespiel.

Als sich dieser Traum tatsächlich erfüllt hat

In meiner Ausbildung zum Kreativen konnte ich mir nicht vorstellen, jemals etwas anderes als Kreatives zu machen. Das war zu diesem Zeitpunkt keine Befürchtung, sondern eine selbstverständliche Gewissheit. Ich war mittendrin in genau dem, was ich mir zuvor vorgestellt hatte, und alles fühlte sich stimmig an.

Und ich hatte eine Zeit lang tatsächlich das Glück, dass sich genau dieser Weg manifestierte. Ich konnte tatsächlich bis in die Nacht kreativ arbeiten, ähnlich wie ich es mir bei einer Runde Age of Empires ausgemalt hatte. Dieselbe Vertiefung, dasselbe Verschwinden der Zeit, nur jetzt mit echten Projekten, echten Entwürfen, echter kreativer Arbeit. Für jemanden, der sich diesen Zustand lange vorgestellt hatte, war das kein kleines Gefühl. Es war die Bestätigung, dass sich ein früher Traum tatsächlich in die Realität übersetzen lässt, wenn man ihn konsequent verfolgt.

Warum ich mit diesem Bild beginne

Ich erzähle diesen Anfang so ausführlich, weil er die Ausgangslage für alles ist, was in dieser Serie noch folgt. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir selbst nicht vorstellen können, dass sich mein Verständnis davon, wer ich bin und was mich beruflich ausmacht, jemals grundlegend verändern würde. Design war nicht nur mein Beruf. Es war ein Teil meiner Identität, so fest verankert wie ein Charakterzug.

Genau diese Festigkeit macht die weitere Geschichte interessant. Denn was danach kam, war ein Weg, den ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht hätte vorstellen können, und der begann mit etwas, das eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp sein sollte. Wie es dazu kam, und warum ich diesen Zwischenstopp nie wieder verlassen habe, zeige ich im nächsten Teil.