Warum mir diese Aufgabe tatsächlich Spaß macht
Wenn ich über meine Rolle spreche, fällt oft ein Satz wie „ich finde die Aufgabe sehr interessant und spannend“. Meistens bleibt es genau dabei, eine Behauptung, keine Erklärung. Deshalb will ich in diesem Beitrag versuchen, den Satz tatsächlich auszubuchstabieren: Was genau macht es für mich spannend, ein Team aus fünf so unterschiedlichen Perspektiven zu führen?
Es ist kein Zustand, sondern ein fortlaufendes Puzzle
Der erste Grund liegt darin, dass diese Aufgabe nie wirklich abgeschlossen ist. Es gibt keinen Punkt, an dem ich sagen könnte: Jetzt habe ich verstanden, wie Design, Entwicklung, Text, Übersetzung und Support zusammenwirken, jetzt ist die Übersetzung zwischen ihnen ein für alle Mal gelöst. Jedes neue Projekt bringt eine neue Konstellation von Anforderungen mit sich, und jede dieser Konstellationen erzeugt wieder neue Reibungspunkte zwischen den Fachbereichen.
Das klingt anstrengend und ist es auch. Aber genau darin liegt für mich der Reiz. Ein Puzzle, das einmal gelöst ist und dann fertig daliegt, verliert irgendwann seinen Reiz. Ein Puzzle, das sich mit jedem neuen Projekt neu zusammensetzt, bleibt lebendig. Ich weiß morgens nicht genau, welche Reibung zwischen welchen zwei Perspektiven heute im Mittelpunkt stehen wird und genau diese Ungewissheit macht die Arbeit für mich interessant statt ermüdend.
Die Vielfalt der Denkweisen
Ein weiterer Punkt, der mir erst mit der Zeit richtig bewusst wurde: Ich habe das Privileg, jeden Tag mit sehr unterschiedlichen Denkweisen in Kontakt zu sein. Die Art, wie ein Designer ein Problem angeht, unterscheidet sich fundamental von der Art, wie ein Entwickler es angeht und beide unterscheiden sich wieder von der Denkweise eines Texters oder eines Support-Mitarbeiters, der aus der direkten Kundenperspektive kommt.
Diese Vielfalt ist für mich keine Belastung, sondern eine Bereicherung. Wenn ich nur mit Menschen zusammenarbeiten würde, die alle ähnlich denken, würde sich mein eigenes Denken vermutlich in eine ähnliche Richtung verengen. Weil ich stattdessen ständig zwischen völlig unterschiedlichen Logiken hin- und herwechsle, bleibt mein eigenes Denken flexibler, als es sonst vermutlich wäre.
Der Moment, in dem aus fünf Stimmen eine Richtung wird
Der vielleicht größte Reiz liegt für mich in einem ganz bestimmten Moment: wenn aus fünf unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Perspektiven tatsächlich eine gemeinsame, tragfähige Entscheidung entsteht. Dieser Moment fühlt sich anders an als eine einfache fachliche Lösung. Er fühlt sich an wie das Zusammensetzen eines Puzzles, bei dem am Anfang niemand genau wusste, ob die Teile überhaupt zusammenpassen und am Ende doch ein stimmiges Bild entsteht.
Dieses Gefühl lässt sich schwer in Worte fassen, aber es ist der eigentliche Grund, warum ich diese Aufgabe nach all den Jahren immer noch als spannend empfinde, statt sie als reine Pflichterfüllung zu erleben. Es ist die Befriedigung, etwas geschaffen zu haben, das keine einzelne Fachperson allein hätte schaffen können und bei dem mein eigener Beitrag nicht darin bestand, selbst die beste fachliche Idee zu haben, sondern die richtigen Verbindungen zwischen den Ideen anderer herzustellen.
Die Entwicklung, die man an sich selbst spürt
Ein weiterer, persönlicherer Punkt: Ich merke an mir selbst, wie sehr mich diese Aufgabe über die Zeit verändert hat. Die Fähigkeit, fünf unterschiedliche Sprachen zumindest gut genug zu verstehen, um zwischen ihnen zu vermitteln, ist kein Wissen, das ich mir in einem Kurs angeeignet habe. Sie ist über unzählige Meetings, Nachfragen und kleine Missverständnisse entstanden. Zu spüren, wie ich mich dadurch selbst weiterentwickelt habe, ist eine Art von Befriedigung, die sich unabhängig vom konkreten Projekt einstellt.

