Die Quittung für einen laxen ersten Anlauf


Teil 2 einer Serie darüber, wie klare Rollenbilder in meinen Teams entstanden sind


Im letzten Teil habe ich beschrieben, wie sich in meinen Teams über die Jahre langsam klarere Rollenbilder herausbildeten und warum mich das dazu zwang, diese Rollen endlich auch klar zu beschreiben. Mein erster Versuch dazu war alles andere als ein Erfolg.

Ein Ergebnis, das zu viel Spielraum ließ

Als ich mich zum ersten Mal daran gemacht habe, Rollenbilder und Handlungsspielräume klar zu beschreiben, war mein Ergebnis lax. Unspezifisch. Es ließ Raum für Missverständnisse. Ich hatte zwar Worte gefunden, um die einzelnen Rollen zu benennen, aber diese Worte waren zu offen formuliert, um im Alltag tatsächlich Orientierung zu geben.

Die Quittung dafür habe ich bekommen. Im Team herrschte spürbar unangenehme Spannung. Nicht dramatisch, nicht offen ausgesprochen – aber deutlich genug, dass ich sie nicht ignorieren konnte. Etwas an meiner Beschreibung funktionierte nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Woran es tatsächlich lag

Rückblickend erkenne ich, woran das lag. Ich hatte die Beschreibung mit einer Haltung angefasst, die eigentlich meine eigene war: die Freiheit, meine Rolle selbst auszugestalten, ist etwas, das ich brauche, um zufrieden zu sein. Also habe ich unbewusst versucht, meinen Mitarbeitern ein Stück dieser Freiheit mitzugeben, indem ich die Grenzen bewusst offen ließ.

Das war keine bewusste strategische Entscheidung, sondern etwas, das sich still in meine Formulierungen eingeschlichen hatte. Ich wollte niemandem eine zu enge Schablone aufzwingen. Ich wollte Raum für eigene Interpretation lassen, so wie ich selbst diesen Raum für mich als wertvoll empfinde.

Warum diese Freiheit im Team anders ankam

Das Problem: Diese Freiheit funktioniert nicht auf dieselbe Art im Teamgefüge. Was für mich als Gestaltungsspielraum gedacht war, kam bei den Mitarbeitern als Unsicherheit an. Wo genau liegt meine Verantwortung? Wo endet sie? Wer ist eigentlich wofür zuständig, wenn es mal eng wird?

Diese Fragen sind keine Kleinigkeit. Sie betreffen den Kern dessen, was Menschen brauchen, um sich in ihrer Arbeit sicher zu fühlen. Eine offen gelassene Grenze mag für mich persönlich nach Freiheit klingen. Für jemanden, der sich in einer noch neuen Rolle orientieren muss, klingt dieselbe Offenheit eher nach einer fehlenden Landkarte. Man weiß nicht, wo man steht, und genau dieses Nicht-Wissen erzeugt Unsicherheit, nicht Freiheit.

Was ich daraus gelernt habe

Ich habe das auf die harte Tour gelernt. Ein zu offen gelassenes Rollenbild ist keine Freiheit für das Team, sondern eine Leerstelle, die zu Reibung führt. Diese Erkenntnis klingt im Nachhinein fast banal, aber sie war für mich in diesem Moment alles andere als offensichtlich. Ich hatte etwas, das ich selbst als positiv empfinde, unreflektiert auf eine Situation übertragen, in der es genau gegenteilig wirkte.

Diese Erfahrung war unangenehm, aber sie war auch der notwendige Ausgangspunkt für alles, was danach kam. Ohne die spürbare Spannung im Team hätte ich vermutlich nicht so genau hingeschaut, warum mein erster Versuch nicht funktioniert hat. Was ich aus dieser Erfahrung für meinen zweiten Anlauf mitgenommen habe, zeige ich im nächsten Teil.