Teil 2 einer Serie über meine monatlichen 1:1-Gespräche
Im letzten Teil habe ich beschrieben, wie künstlich sich meine erste 1:1-Runde angefühlt hat, und warum ich trotzdem weitergemacht habe. Bevor ich zeige, wie sich das Format weiterentwickelt hat, lohnt sich die Frage, die vermutlich naheliegt: Warum überhaupt ein zusätzlicher Termin? Wir hatten doch bereits tägliche Abstimmungen.
Was ein Daily leistet, und was nicht
In unserem Team gibt es tägliche kurze Abstimmungen: kompakte Runden, in denen jeder kurz sagt, was gestern war und was heute ansteht. Dieses Format ist wertvoll, um das Tagesgeschäft synchron zu halten. Jeder weiß, woran die anderen gerade arbeiten, Blocker werden früh sichtbar, die Abstimmung im operativen Alltag funktioniert reibungslos.
Aber genau darin liegt die Grenze dieses Formats. Ein Daily ist auf das Tagesgeschäft ausgerichtet, gestern, heute, vielleicht noch ein kurzer Blick auf morgen. Es gibt in diesem Format weder den zeitlichen noch den atmosphärischen Raum für alles, was nicht direkt ins Tagesgeschäft gehört. Persönliche Anliegen, längerfristige Gedanken, leise Unzufriedenheiten, Ideen, die noch nicht ausgereift genug für eine große Runde sind, all das hat in einem fünf- oder zehnminütigen Daily schlicht keinen Platz.
Die Lücke, die dadurch entsteht
Wenn ein Team ausschließlich über Dailys kommuniziert, entsteht eine stille Lücke. Themen, die nicht ins Tagesgeschäft passen, werden entweder gar nicht angesprochen oder sie werden in unpassenden Momenten notdürftig eingeschoben, zwischen Tür und Angel, kurz vor Feierabend, in einem hastigen Nebensatz. Beides ist keine gute Grundlage für Themen, die eigentlich Zeit und Aufmerksamkeit brauchen würden.
Mir ist irgendwann bewusst geworden, dass genau diese Lücke ein echtes Risiko birgt. Nicht, weil im Team etwas grundlegend schiefläuft, sondern weil wichtige, aber nicht dringende Themen in einem reinen Tagesgeschäfts-Rhythmus untergehen. Niemand entscheidet sich bewusst dafür, ein Thema zu verschweigen, es findet einfach nie den passenden Moment, um es anzusprechen.
Wie das monatliche 1:1 diese Lücke schließt
Das monatliche 1:1 ist genau als Antwort auf diese Lücke entstanden. Es ist kein Ersatz für die Dailys, sondern eine bewusste Ergänzung dazu. Während das Daily den kurzfristigen, operativen Takt abdeckt, schafft das 1:1 einen geschützten Raum für alles, was langsamer, persönlicher oder grundsätzlicher ist. Ein Zeitfenster, das ausschließlich einer einzelnen Person gehört, ohne den Druck, es kurz und effizient zu halten wie ein Daily.
Diese Aufteilung folgt für mich einer einfachen Logik: Kurzfristige, operative Themen brauchen Häufigkeit und Tempo, dafür ist das Daily da. Langfristigere, persönlichere Themen brauchen dagegen Raum und Ruhe, dafür ist das 1:1 da. Beides gleichzeitig in einem einzigen Format abdecken zu wollen, würde entweder das Daily überladen oder das 1:1 unnötig verkürzen.
Warum diese Struktur der eigentliche Sinn hinter dem unbequemen Anfang ist
Rückblickend erklärt diese strukturelle Überlegung auch, warum ich trotz der künstlichen ersten Runde aus Teil 1 am Format festgehalten habe. Es ging nicht darum, ein zusätzliches Meeting um des Meetings willen einzuführen. Es ging darum, eine echte Lücke zu schließen, die ohne dieses Format schlicht offengeblieben wäre. Diese Überzeugung hat mir geholfen, über die anfängliche Unbeholfenheit hinwegzukommen, ich wusste, wofür ich dieses Format eigentlich brauchte, auch wenn es sich in der ersten Umsetzung noch nicht danach anfühlte.
Wie sich dieses Format dann tatsächlich entwickelt hat, und warum ich die Agenden, die ich anfangs für jeden vorbereitet hatte, irgendwann kaum noch brauchte, zeige ich im nächsten Teil.

