Teil 1 einer Serie über meine monatlichen 1:1-Gespräche
Während meiner Führungskräfteausbildung habe ich ein neues Format eingeführt: regelmäßige Einzelgespräche mit jedem Menschen in meinem Team. Einmal im Monat, am ersten und zweiten Freitag, bekommt jede Person ein eigenes Zeitfenster für alles, was ihr wichtig ist. Was gut klingt, wenn man es im Nachhinein beschreibt, fühlte sich in der ersten Runde ganz anders an: gestellt, künstlich, fast ein bisschen peinlich.
Der erste Versuch
Ich saß in diesem ersten 1:1 einer neuen Rolle gegenüber, nicht nur der Führungskraft, die ich ohnehin schon war, sondern der Rolle „Person, die jetzt ein strukturiertes Personalgespräch führt“. Ich hatte mir vorher Gedanken gemacht, was ich fragen könnte, wie ich das Gespräch eröffnen sollte, wie viel Raum ich lassen sollte, bevor ich selbst etwas sage. Und trotzdem fühlte sich das Ganze an, als würde ich ein Format nachspielen, das ich aus einem Buch oder einem Seminar übernommen hatte, ohne dass es schon wirklich zu mir oder zu meinem Team passte.
Die Fragen kamen mir teilweise zu formell vor. Die Antworten meines Gegenübers klangen manchmal ebenso vorsichtig, so als würde auch die andere Person zum ersten Mal in diesem neuen Setting sitzen und nicht genau wissen, wie ehrlich oder wie zurückhaltend sie sein sollte. Es war, als würden wir beide eine Rolle spielen, deren Text wir noch nicht richtig kannten.
Warum ich trotzdem weitergemacht habe
An diesem Punkt hätte ich das Format auch wieder verwerfen können. „Das passt nicht zu uns“ wäre eine naheliegende Schlussfolgerung aus einer unangenehmen ersten Runde gewesen. Ich habe mich stattdessen für eine andere Haltung entschieden: Fake it till you make it. Ich habe die Künstlichkeit der ersten Runde bewusst in Kauf genommen, in dem Wissen, dass ein neues Format selten von der ersten Minute an natürlich wirkt.
Diese Entscheidung war nicht besonders mutig oder strategisch durchdacht. Sie war eher eine pragmatische Überzeugung: Wenn ein Format grundsätzlich sinnvoll ist, aber sich am Anfang unbeholfen anfühlt, ist das kein Grund, es aufzugeben, es ist der normale Preis dafür, etwas Neues einzuführen. Ich habe die erste Runde also einfach durchgezogen, auch wenn sie sich nicht so anfühlte, wie ich es mir erhofft hatte.
Ich wollte diesen ersten, unfertigen Moment bewusst an den Anfang dieser Serie stellen, weil er zeigt, wie wenig glatt ein neues Format am Anfang oft verläuft, auch wenn es sich später als eines der wertvollsten Werkzeuge in meiner Führungsarbeit herausstellen sollte. Wie es dazu kam, dass ich dieses Format überhaupt eingeführt habe, und welche strukturelle Lücke es füllen sollte, zeige ich im nächsten Teil.

